Tee

tee

Gepflückt im Warmen täglich bescheint, gebettet auf nährreichen Boden, der dich tränkt. Feuchte Luft an deinen Blättern perlt. Tropft herab, auf das nächste fällt. Spiegelt den Glanz, den das Sonnenlicht hinterlässt. Zeigt die Umgebung für einen kurzen Augenblick. Du nicht alleine stehst, dicht an dicht in einem Rudel. Schützend um dich herum, nur kleine Wege liegen zwischen euch. Empfangt täglich Pflege, bis euer Ende naht. Aus der Schönheit gerissen in einem Augenblick, das Licht genommen, in Körbe gefangen und in der Sonne zum Trocknen gelegt.

Deine Feuchtigkeit schwindet, du immer trockener wirst. Das Leben, wie du es kennst, geht vorerst verloren, ein neuer Abschnitt beginnt. Dein Aroma hält sich im Trockenen an dir fest, gewendet, gedreht im Sonnenlicht. Bis auch der letze Tropfen Lebenssaft aus dir weicht. In Säcke gesteckt ihr dicht aneinander liegt. Kein Sonnenlicht ist mehr zu sehen, eine Reise fern der Heimat beginnt. Viele Stunden vergehen, bis das Verschiffen ein Ende hat.

Die Säcke öffnen sich, Licht sticht auf deine trockene Haut. In einen Trichter geschmissen, deine gezupfte Form noch kleiner wird. Geschnitten auf die richtige Größe hin, bis auch du in einen kleinen Beutel passt. Nett verpackt, du erst einmal wieder liegst. Du wartest die ganze Nacht, bis es von Neuem beginnt und ein weiteres Ziel das deine sein wird. Angekommen und verstaut, bis dein großer Moment gekommen ist. Es wird schön über dich gesprochen, Wünsche gestrickt, bis du an der Reihe bist. Diesen Worten gerecht zu werden, ein geschmackvolles Erlebnis zu sein.

Das heiße Wasser steht für dich bereit, deine Aromen aus dir herauszulocken. Du selbst nun der Reiseführer bist. Der nun durch seinen Geschmack von einer fremden Heimat erzählt. Du hast nicht umsonst gelebt, sondern einen Menschen glücklich gemacht. Wenn das nicht ein schöner Grund ist, auf der Welt zu sein.