Undankbarkeit

undankbarkeit

Gesättigt und dick sitzend in der Ecke, dem geschenkten Pferd gründlich in das Maul gesehen. Ein Zahn in der Reihe steht krumm. Passt nicht perfekt zu der anderen Reihe. Das Fell ist fleckig, auch wenn es dem Gang keinen Nachteil abgewinnt. Dennoch reicht es nicht, dass der geschenkte Gaul mit Freude und Dankbarkeit entgegengenommen wird. Man hätte ihn gerne geliefert mit Schleife um den Hals, das Fell gestriegelt und genügend Futter für die nächste Zeit. Am besten man kommt drei Mal die Woche zur Pflege und kümmert sich auch um den Rest von dem Pferd. Es ist unglaublich, was mit den Menschen los ist. Es geht ihnen zu gut, es fehlt der Blick für die Realität.

Geblendet durch den täglichen Medienkonsum, bei dem ihnen alles impliziert wird. Was sie schmecken sollen, was sie tun. Was gut für sie ist und was sie tatsächlich brauchen, um glücklich zu sein. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie feststellen, ohne ihren Fernseher sind sie wieder ganz alleine. Besinnen sich vielleicht an den Tag zurück, als man ihn eine Freude machen wollte. Verantwortung übergebend, ein Leben, das fortan eine Rolle für sie spielen wird. Aber da war ja der eine Zahn, der krumm in der Reihe steht. Wie ein fauler Apfel im Obstregal, den keiner freiwillig wählt.

Lieber verzehren wir uns an allem Durchgekauten, schön angerichteten mit dem perfekten Glanz nach außen hin. Die glänzende Fassade, ohne Inhalt als leere Vase, die von nun an unser Gefilde ziert. Ein Sichtobjekt der Begierde. Ein Ersatzphallussymbol der Einsamkeit auf einem Tische stehend. Es geht uns doch gut, und wenn etwas aus der Reihe tanzt. Wird es abgelehnt und es wird nach dem anscheinend Perfekten ersehnt. Lupenrein und wunderschön anzusehen. So ist die Einsamkeit in der die Undankbarkeit für das, was man hat, sich von ihrer negativsten Seite zeigt. Hurra, ihr Mediensklaven, Bücklinge der Gesellschaft, deren Oberflächlichkeit aus jeder Pore sprießt. Ich danke auch für diese Erfahrung, ihr seid der Grund, warum ich jeden Tag Bestätigung dafür bekomme. Wie gut es mir geht und dankbar dafür bin.